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Apg. 15, 36 – 16, 24

Die zweite Missionsreise (15-18)

36 Einige Zeit später sagte Paulus zu Barnabas: "Lass uns wieder aufbrechen und all die Städte besuchen, in denen wir das Wort des Herrn gepredigt haben. Wir sollten sehen, wie es den Geschwistern dort geht." 37 Doch Barnabas wollte auch Johannes Markus wieder mitnehmen. 38 Paulus aber hielt es nicht für richtig, den mitzunehmen, der sie in Pamphylien im Stich gelassen und die Zusammenarbeit abgebrochen hatte. 39 Es kam nun zu einer so heftigen Auseinandersetzung, dass beide sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und segelte nach Zypern. 40 Paulus dagegen wählte sich Silas zum Begleiter. Und nachdem er von den Geschwistern der Gnade Gottes anbefohlen worden war, reiste er ab. 41 Er zog durch Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden im Glauben.

/16\ 1 Paulus kam dann auch wieder nach Derbe und Lystra. In Lystra wohnte ein Jünger mit Namen Timotheus. Er war der Sohn einer gläubig gewordenen jüdischen Frau und eines griechischen Vaters. 2 Diesen Timotheus, der einen guten Ruf bei den Brüdern in Lystra und Ikonion hatte, 3 wollte Paulus auf seine Reisen mitnehmen. Weil die Juden in den umliegenden Orten aber wussten, dass sein Vater ein Grieche gewesen war, ließ Paulus ihn beschneiden.

4 In allen Städten, durch die sie kamen, teilten sie den Gläubigen die Beschlüsse mit, die die Apostel und Ältesten in Jerusalem gefasst hatten, und trugen ihnen auf, sich daran zu halten. 5 So wurden die Gemeinden im Glauben gefestigt und die Zahl der Gläubigen wuchs täglich.

Der Ruf aus Mazedonien

6 Danach zogen sie durch das phrygische Galatien* weiter, weil der Heilige Geist sie daran gehindert hatte, die Botschaft in die Asia* zu tragen. 7 Als sie dann an die Grenze von Mysien* kamen, versuchten sie nach Bithynien* weiterzureisen, doch das erlaubte ihnen der Geist, durch den Jesus sie führte, auch nicht. 8 So zogen sie ohne Aufenthalt durch Mysien, bis sie in die Hafenstadt Troas* kamen. 9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Er sah einen Mazedonier vor sich stehen, der ihn bat: "Komm nach Mazedonien* herüber und hilf uns!" 10 Daraufhin suchten wir* unverzüglich nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Aus der Vision hatten wir nämlich geschlossen, dass Gott uns rief, den Menschen dort das Evangelium zu bringen.

16,6: Die römische Provinz Galatien schloss seit 25 v.Chr. den größten Teil des Königreichs Galatien in der zentralen Hochebene der heutigen Türkei ein, wozu auch die südlicher liegenden Landschaften Pisidien, Lykaonien und Teile von Phrygien gehörten.
16,6: Asia. Römische Provinz, die den westlichen Teil Kleinasiens umfasste.
16,7: Mysien. Landschaft im Westen Kleinasiens, Teil der Provinz Asia.
16,7: Bithynien. Gebiet im nördlichen Kleinasien, südlich des Schwarzen Meeres.
16,8: Troas. Ein bedeutender Hafen im Nordwesten der römischen Provinz Asia, 20 km südlich von Troja.
16,9: Mazedonien. Römische Provinz auf der Balkanhalbinsel. Sie umfasste den nördlichen Teil des heutigen Griechenlands.
16,10: Die "Wir"-Form deutet an, dass von diesem Zeitpunkt an Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, an der Reise teilnahm.

Das Evangelium kommt nach Europa

11 So fuhren wir von Troas ab und segelten auf kürzestem Weg zur Insel Samothrake. Am nächsten Tag erreichten wir schon Neapolis*. 12 Von dort ging es landeinwärts nach Philippi*, der bedeutendsten Stadt in diesem Teil Mazedoniens, einer ‹römischen› Kolonie. Hier blieben wir einige Tage. 13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine jüdische Gebetsstätte vermuteten. Nachdem wir sie gefunden hatten, setzten wir uns und sprachen zu den Frauen, die dort zusammengekommen waren. 14 Eine dieser Frauen hieß Lydia. Das war eine Purpurhändlerin aus Thyatira*. Sie glaubte an den Gott Israels. Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie gut zuhörte und bereitwillig aufnahm, was Paulus sagte. 15 Später ließ sie sich mit allen, die in ihrem Haus lebten, taufen. Danach lud sie uns ein und sagte: "Wenn ihr wirklich überzeugt seid, dass ich an den Herrn glaube, dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste." Sie nötigte uns geradezu.

16,11: Neapolis. "Neue Stadt", Hafen von Philippi. Die Häuser der Stadt liegen wie in einem Amphitheater an Felshängen. Heute: Kavalla. Von hier aus konnten die Missionare der berühmten Straße "Via Egnatia" folgen, die sie über Philippi bis nach Thessalonich führte.
16,12: Philippi. liegt 16 km von Neapolis entfernt. In Erinnerung an seinen Sieg über die Cäsarmörder Brutus und Cassius 42 v.Chr. hatte Augustus die Stadt zur Kolonie erhoben. Dort wurden römische Veteranen (ausgediente Soldaten) angesiedelt, erhielten Haus und Land als eine Art Pension. Die Stadt bekam das römische Bürgerrecht.
16,14: Thyatira. Stadt in der Provinz Asia, etwa 200 km südöstlich von Troas, Handelszentrum für Purpurstoffe. Heute: Akhisar in der Türkei.

16 Als wir einmal auf dem Weg zu der Gebetsstätte waren, begegnete uns eine Dienerin. Sie war von einem Wahrsagegeist besessen und brachte ihren Herren viel Geld mit Wahrsagen ein. 17 Die junge Frau lief dem Paulus und uns hinterher und schrie: "Diese Leute sind Diener des höchsten Gottes! Sie können euch den Weg zur Rettung zeigen!" 18 So ging das viele Tage, bis Paulus es nicht mehr ertrug. Er drehte sich um und sagte zu dem Geist: "Im Namen von Jesus Christus befehle ich dir: Verlass diese Frau!" Im selben Augenblick verließ er sie.

Im Gefängnis

19 Als ihre Herren aber begriffen, dass die Hoffnung auf Gewinn für sie verschwunden war, packten sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Marktplatz zu den Behörden. 20 Vor den beiden Stadtregenten* beschuldigten sie die Apostel: "Diese Juden hier bringen unsere ganze Stadt in Aufruhr! 21 Sie wollen Sitten einführen, die wir als römische Bürger keinesfalls annehmen dürfen." 22 Als dann auch noch die Volksmenge ihre Bestrafung verlangte, ließen die Stadtregenten ihnen die Kleidung vom Leib reißen und befahlen, sie mit Stöcken zu schlagen. 23 Nachdem sie schwer misshandelt worden waren, ließen sie beide ins Gefängnis schaffen. Dem Gefängniswärter befahlen sie, sie sicher zu verwahren. 24 Auf diesen Befehl hin sperrte er beide in die innerste Zelle und schloss ihre Füße in den Block.

16,20: Stadtregenten. Das waren hier in Philippi zwei römische Beamte.

 NeÜ   bibel.heute Textstand: 24 01 © Karl-Heinz Vanheiden • https://neue.derbibelvertrauen.de/index.html

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Kommentare

Kommentar von Matthias |

Ausnahmsweise einen Kommentar zum Verständnis; weil dieser vermeintliche Widerspruch im Handeln des Apostels.

William MacDonald - Kommentar zum Neuen Testament
16,3 Ehe Paulus abreiste, »beschnitt« er Timotheus. Warum tat er das, wo er sich doch einige Zeit vorher standhaft geweigert hatte, Titus beschneiden zu lassen (Gal 2,1-5)? Die Antwort lautet einfach, daß es im Falle von Titus um grundsätzliche christliche Lehren ging, während das hier nicht der Fall war. Die falschen Lehrer hatten in Galatien darauf bestanden, daß Männer mit einer vollständig heidnischen Abkunft wie Titus beschnitten werden müßten, um gerettet zu werden. Paulus erkannte darin eine Leugnung der Vollkommenheit des Erlösungswerkes Christi, und wollte darum nicht nachgeben. Hier nun lag der Fall völlig anders. Die Menschen dieses Gebietes wußten, daß Timotheus von einer jüdischen Mutter abstammte. »Paulus«, Silas und Timotheus wollten auf eine Evangelisationsreise gehen. Sie würden zunächst immer zuerst den Kontakt zu Juden suchen. Wenn diese »Juden« nun erführen, daß Timotheus unbeschnitten sei, könnte das dazu führen, daß sie sich weigerten, weiter zuzuhören. Wenn er jedoch beschnitten war, dann könnten sie an dieser Stelle keinen Anstoß nehmen. Da es bloß um etwas moralisch Belang- loses und nicht um Lehrmäßiges ging, unterzog Paulus Timotheus dieser jüdischen Vorschrift. Er wurde allen alles, damit er auf etliche Weise einige erretten könnte (1. Kor 9,19-23). Die Deutung, daß Paulus Timotheus beschnitt, damit er bei den Juden Zuhörer für das Evangelium gewinnen könnte, wird durch die Worte nahegelegt: ». . .und beschnitt ihn um der Juden willen, . . . denn sie kannten alle seinen Vater, daß er ein Grieche war.«

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